Warum können HTMA und Blutuntersuchungen unterschiedliche Ergebnisse zeigen?

Viele Menschen, die eine Haarmineralanalyse (HTMA – Hair Tissue Mineral Analysis) durchführen lassen, stellen fest, dass die Ergebnisse nicht immer mit den Blutwerten übereinstimmen. Dies ist eine der häufigsten Fragen im Zusammenhang mit HTMA. In der Praxis ist dieses Phänomen jedoch nicht ungewöhnlich. Der Hauptgrund dafür ist, dass Haare und Blut unterschiedliche biologische Informationen liefern und sich auf verschiedene „Zeitfenster“ der Körperfunktionen beziehen. Blutuntersuchungen dienen vor allem der Beurteilung des aktuellen Gesundheitszustands, während die Haaranalyse langfristige Prozesse des Mineralstoffwechsels sowie die Exposition gegenüber bestimmten Umweltfaktoren widerspiegeln kann.

Blut und Haare – zwei unterschiedliche biologische Materialien

Blutuntersuchungen

Blut ist ein Gewebe, das einer sehr strengen biologischen Regulation unterliegt. Der Körper hält viele Parameter durch Mechanismen der Homöostase in einem engen Bereich.

Dazu gehören unter anderem:

  • Natrium,
  • Kalium,
  • Calcium,
  • Magnesium,
  • Eisen.

Selbst wenn langfristige Mängel oder metabolische Belastungen bestehen, können die Blutwerte über einen gewissen Zeitraum innerhalb der Referenzbereiche bleiben.

Daher zeigen Blutuntersuchungen am besten:

  • den aktuellen physiologischen Zustand,
  • akute Störungen,
  • laufende Reaktionen des Organismus,
  • Parameter, die einer schnellen Regulation bedürfen.

Haarmineralanalyse (HTMA)

Während ihres Wachstums können Haare bestimmte Elemente aufnehmen, die im Körper und in der Umwelt vorhanden sind. Da Haare durchschnittlich etwa 1 cm pro Monat wachsen, kann die Analyse eines 1,5–3 cm langen Haarsegments Informationen über die vergangenen Wochen oder Monate liefern.

Daher wird HTMA hauptsächlich verwendet zur Beurteilung von:

  • langfristigen Mineralstofftrends,
  • Umweltexpositionen,
  • Beziehungen zwischen einzelnen Mineralstoffen,
  • Veränderungen im Zeitverlauf.

In der wissenschaftlichen Literatur werden Haare häufig als Biomonitoring-Material („biomarker of long-term exposure“) bezeichnet.

Warum können sich die Ergebnisse unterscheiden?

Homöostase des Körpers

Einer der Hauptgründe für Unterschiede ist die Fähigkeit des Körpers, stabile Konzentrationen von Mineralstoffen und Spurenelementen im Blut aufrechtzuerhalten.

Beispielsweise:

  • kann der Körper bei geringer Mineralstoffzufuhr diese vorübergehend aus Geweben freisetzen,
  • können sich bei chronischem Stress die Verhältnisse von Natrium und Kalium verändern,
  • kann der Körper bestimmte Metalle im Gewebe speichern, anstatt sie im Blutkreislauf zu halten.

Dadurch kann:

  • das Blutbild weiterhin „normal“ erscheinen,
  • während Haare langfristige Trends oder Veränderungen der Mineralstoffverhältnisse anzeigen.

Unterschiedliche Zeitfenster

Blutuntersuchungen spiegeln den aktuellen Zustand des Körpers wider.

HTMA bezieht sich dagegen auf den Zeitraum des Haarwachstums:

  • meist mehrere Wochen,
  • teilweise mehrere Monate.

Daher können beide Methoden unterschiedliche Phasen metabolischer Prozesse beschreiben.

Unterschiedliche biologische Funktion des Materials

Blut ist ein aktiv reguliertes Transportgewebe.

Haare hingegen bestehen aus Keratin und unterliegen nach ihrer Bildung keiner aktiven Stoffwechselregulation mehr. Deshalb können sie eine Art „Aufzeichnung“ früherer Expositionen gegenüber bestimmten Elementen bewahren.

Bedeutet das, dass eine Methode besser ist?

Nein.

HTMA und Blutuntersuchungen haben unterschiedliche Anwendungsbereiche und ersetzen sich nicht gegenseitig.

Blutuntersuchungen eignen sich besonders für:

  • die medizinische Diagnostik,
  • die Beurteilung akuter Zustände,
  • das Monitoring klinischer Parameter,
  • die Bewertung des aktuellen physiologischen Zustands.

HTMA kann hilfreich sein bei:

  • Biomonitoring,
  • der Beobachtung langfristiger Mineralstofftrends,
  • der Bewertung von Umweltbelastungen,
  • der Überwachung von Veränderungen im Lebensstil und bei Nahrungsergänzungen.

Den größten Informationswert liefert in der Regel die Kombination verschiedener Datenquellen sowie die Interpretation der Ergebnisse im Zusammenhang mit Gesundheit und Lebensstil.

Wie sollten Unterschiede zwischen HTMA und Blutwerten interpretiert werden?

Wichtig ist, einzelne Werte nicht direkt miteinander zu vergleichen.

In der Praxis sind folgende Aspekte oft aussagekräftiger:

  • Verhältnisse zwischen Mineralstoffen,
  • Trends im Zeitverlauf,
  • Wiederholbarkeit der Ergebnisse,
  • gesundheitlicher Kontext,
  • Ernährungsgewohnheiten,
  • Nahrungsergänzung,
  • Umweltexposition.

Beispielsweise:

  • schließt ein normaler Magnesiumwert im Blut langfristige Veränderungen des Magnesiumstoffwechsels nicht zwangsläufig aus,
  • können Haare frühere Belastungen durch bestimmte Schwermetalle widerspiegeln, selbst wenn die aktuellen Blutwerte niedrig sind.

Bedeutung der Laborqualität

Sowohl bei Blutuntersuchungen als auch bei HTMA ist die Qualität der Laborverfahren von entscheidender Bedeutung.

Bei der Haaranalyse sind insbesondere wichtig:

  • die Probenentnahme,
  • das Waschverfahren des Probenmaterials,
  • die Analysemethode (z. B. ICP-OES),
  • die Kalibrierung der Geräte,
  • das Qualitätskontrollsystem.

In Laboren, die HTMA durchführen, ist die Standardisierung des gesamten Prozesses entscheidend für die Reproduzierbarkeit und Aussagekraft der Ergebnisse.

 

Was tun, wenn Sie eine Haarmineralanalyse durchführen möchten?
Wenn Sie nach dem Lesen dieses Artikels Ihren langfristigen Mineralstoffstatus überprüfen möchten:
– die Untersuchung erfolgt anhand einer selbst entnommenen Haarprobe
– die Analyse wird mittels ICP-OES durchgeführt
– Sie erhalten einen Bericht mit der Beschreibung der Elemente und ihrer Verhältnisse

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HTMA und Blutuntersuchungen können unterschiedliche Ergebnisse liefern, da sie verschiedene Aspekte der Körperfunktionen bewerten.

Blut:

  • zeigt den aktuellen physiologischen Zustand,
  • unterliegt einer strengen homöostatischen Regulation.

HTMA:

  • kann langfristige Mineralstofftrends widerspiegeln,
  • bezieht sich auf den Zeitraum des Haarwachstums,
  • wird im Biomonitoring und zur Bewertung von Umweltbelastungen eingesetzt.

Unterschiede zwischen den Ergebnissen bedeuten nicht zwangsläufig einen Fehler oder mangelnde Zuverlässigkeit einer der Methoden. Entscheidend sind die korrekte Interpretation der Ergebnisse sowie die Berücksichtigung von Gesundheitszustand, Lebensstil und der Qualität der Laborverfahren.

Literatur

  1. Kempson IM, Lombi E. Hair analysis as a biomonitor for toxicology, disease and health status. Chemical Society Reviews. 2011.
  2. Rodrigues JL, Batista BL, Nunes JA, Passos CJ, Barbosa F Jr. Evaluation of the use of human hair for biomonitoring the deficiency of essential and exposure to toxic elements. Science of the Total Environment. 2008.
  3. Seidel S et al. Assessment of commercial laboratories performing hair mineral analysis. JAMA. 2001.
  4. Bass DA et al. Trace element analysis in hair: Factors determining accuracy, precision and reliability. Biological Trace Element Research.
  5. World Health Organization (WHO). Evaluation of certain food additives and contaminants: assessment of human exposure to heavy metals.
  6. Harkins DK, Susten AS. Hair Analysis: Exploring the State of the Science. Environmental Health Perspectives. 2003.

Die Haarmineralanalyse (HTMA) ist ein funktionelles und edukatives Instrument. Sie ersetzt weder die medizinische Diagnostik noch die ärztliche Beratung.