HTMA in der Praxis – Was zeigt die Haarmineralanalyse wirklich?

Gespräch mit Dr. Anna Romaniuk. Die Haarmineralanalyse (HTMA – Hair Tissue Mineral Analysis) ist eine Methode, die sowohl Interesse als auch Kontroversen hervorruft. Einerseits wird sie im Biomonitoring und in der Umweltforschung eingesetzt, andererseits wird sie manchmal fälschlicherweise als diagnostisches Instrument interpretiert. In diesem Artikel, in Form eines Gesprächs mit Dr. Anna Romaniuk, erklären wir, was HTMA tatsächlich zeigt, welche Grenzen die Methode hat und wie ihre Ergebnisse in der Praxis interpretiert werden sollten.

Was die Haarmineralanalyse ist – und was sie nicht ist

Dr. Anna Romaniuk: Die Haarmineralanalyse ist kein diagnostischer Test und sollte nicht zur Diagnose von Krankheiten verwendet werden. Sie ersetzt keine Laboruntersuchungen wie Blut- oder Urintests.

HTMA kann jedoch Informationen liefern über:

  • langfristige Mineralstofftrends
  • das Gleichgewicht von Spurenelementen im Körper
  • die Umweltbelastung durch bestimmte Elemente

Das häufigste Problem liegt nicht in der Methode selbst, sondern in ihrer Überinterpretation. Wenn jemand erwartet, auf Grundlage einer Haaranalyse eine Diagnose zu erhalten, ist das eine falsche Annahme.

Warum können sich HTMA-Ergebnisse von Blutwerten unterscheiden?

Dr Anna Romaniuk:Blut ist ein stark reguliertes Gewebe, das durch homöostatische Mechanismen kontrolliert wird. Der Körper hält seine Parameter in einem engen Bereich, selbst bei Mangelzuständen oder Belastungen.

Haare hingegen:

  • unterliegen keiner strengen homöostatischen Regulation
  • spiegeln Veränderungen über einen längeren Zeitraum wider

Daher ist es möglich, dass:

  • Blutwerte im Normbereich liegen
  • während die Haaranalyse langfristige Veränderungen im Mineralstoffhaushalt zeigt

Das bedeutet keinen Widerspruch – beide Untersuchungen liefern unterschiedliche Informationen über den Organismus.

Was beeinflusst die Zuverlässigkeit der HTMA?

Dr. Anna Romaniuk: Drei Faktoren sind entscheidend:

Labormethode – die am häufigsten verwendeten Techniken sind:

  • ICP-OES
  • ICP-MS

Diese Methoden werden auch in der Umwelttoxikologie eingesetzt.

Standardisierung des Labors – wichtig sind:

  • Probenvorbereitung
  • Kalibrierung der Geräte
  • Qualitätskontrolle

Interpretation der Ergebnisse – Bei HTMA werden nicht nur einzelne Elemente betrachtet, sondern auch deren Verhältnisse (Mineralstoffverhältnisse). Ohne diesen Kontext lassen sich leicht falsche Schlussfolgerungen ziehen

Welche Fehler treten bei der Interpretation von HTMA am häufigsten auf?

Dr. Anna Romaniuk: Zu den häufigsten Fehlern gehören:

  • HTMA als diagnostisches Verfahren zu betrachten
  • Einzelwerte ohne Kontext zu interpretieren
  • Supplemente ausschließlich auf Basis der Ergebnisse einzunehmen
  • Lebensstil, Ernährung und Stress zu ignorieren

Oft wird auch übersehen, dass ein einzelnes Ergebnis nur begrenzte Aussagekraft hat. Den größten Nutzen bringt die Beobachtung von Veränderungen über die Zeit.

Wann ist die Haarmineralanalyse sinnvoll?

Dr. Anna Romaniuk: HTMA kann sinnvoll sein als Instrument zur:

  • Beobachtung von Lebensstilveränderungen
  • Bewertung der Effekte von Ernährung oder Supplementierung
  • Einschätzung langfristiger Umweltbelastung

Sie sollte jedoch nicht als alleinige Untersuchung in Situationen verwendet werden, die eine medizinische Diagnostik erfordern.

Wie sollte man HTMA-Ergebnisse sicher nutzen?

Dr. Anna Romaniuk: Die wichtigsten Grundsätze sind:

  • Trends statt Einzelwerte betrachten
  • die Untersuchung alle 3–6 Monate wiederholen
  • den gesundheitlichen Kontext und Lebensstil berücksichtigen
  • HTMA als Teil einer umfassenderen Bewertung sehen

HTMA kann ein wertvolles Instrument sein, jedoch nur bei sachgerechter Interpretation.

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Die Haarmineralanalyse (HTMA) ist eine Methode, die im Biomonitoring und in der Umweltforschung eingesetzt wird und Informationen über langfristige Veränderungen im Mineralstoffhaushalt liefern kann. Wichtige Schlussfolgerungen:

  • HTMA ist kein diagnostischer Test
  • Ergebnisse müssen im Kontext interpretiert werden
  • die Methode eignet sich besonders als Monitoring-Instrument
  • die Qualität des Labors und der Interpretation ist entscheidend

 

Was tun, wenn du eine Haarmineralanalyse durchführen möchtest?
Wenn du nach dem Lesen des Artikels deinen langfristigen Mineralstoffstatus überprüfen möchtest:
– die Untersuchung wird anhand einer selbst entnommenen Haarprobe durchgeführt
– die Analyse erfolgt mittels der ICP-OES-Methode
– du erhältst einen Bericht mit der Beschreibung der Elemente und ihrer Verhältnisse

👉 Zur Elementaranalyse des Haares

 


Ist HTMA ein diagnostischer Test?

Warum unterscheiden sich HTMA-Ergebnisse von Blutwerten?

Ist HTMA zuverlässig?

Kann man auf Basis von HTMA Supplemente auswählen?

Wie oft sollte HTMA durchgeführt werden?

Kann HTMA Schwermetalle nachweisen?

 

Interview mit Dr. Anna Romaniuk – Doktor der Naturwissenschaften, Mikrobiologin, Immunologin und Ernährungs-Psychologische Beraterin. Sie ist auf die Diagnose und Therapie von Störungen der Darmflora bei Kindern mit Autismus-Spektrum-Störungen, Autoimmunerkrankungen und allergischen Erkrankungen, einschließlich atopischer Dermatitis spezialisiert..

Literatur:

  • Kempson IM, Lombi E. Hair analysis as a biomonitor for toxicology, disease and health status. Chemical Society Reviews. 2011.
  • Seidel S i wsp. Assessment of commercial laboratories performing hair mineral analysis. JAMA. 2001.
  • Bass DA i wsp. Trace element analysis in hair: Factors determining accuracy, precision, and reliability. Biological Trace Element Research

Die Haaranalyse (HTMA) ist ein funktionelles und präventives Instrument. Sie ersetzt weder eine ärztliche Diagnose noch eine ärztliche Beratung. Dieses Material dient ausschließlich Informationszwecken und stellt keine medizinische Beratung im Sinne geltenden Rechts dar.