Haarmineralanalyse bei Kindern mit Autismus-Spektrum-Störungen

Autismus ist eine Erkrankung des Nervensystems, die sich durch ernsthafte Schwierigkeiten bei der Kommunikation, sozialen Kompetenzen und sich wiederholenden Verhaltensweisen charakterisiert. Diese Krankheit wird hauptsächlich bis zum 3. Lebensjahr des Kindes diagnostiziert. Die Ursachen von Autismus sind vielseitig. Heutzutage wird davon ausgegangen, dass insbesondere genetische, epigenetische Faktoren sowie Umweltfaktoren eine Rolle spielen. In vielen Bereichen des Gehirns des Kindes können Störungen beobachtet werden, darunter im Kleinhirn, Hippocampus, dem Parietal- und Frontallappen. Der negative Einfluss eines gestörten Mineralhaushalts wird immer öfter als eine wichtige Ursache für epigenetische Veränderungen bei Kindern mit Autismus (1) angesehen. Wenn wir zur Welt kommen, macht unser Gehirn ein Achtel unseres Gewichts aus. Es benötigt auch mehr als ein Drittel der Energie, die uns zur Verfügung steht. Mit dem Wachstum ändern sich die Proportionen. Doch im Kindergartenalter nehmen Nervenzellen die meiste Energie weg. Bei einem vierjährigen Kind geht sogar die Hälfte der Energie, die aus der Nahrung gewonnen wird, ans Gehirn, in dem eine Rekordzahl von Verknüpfungen entsteht. Genau in dieser Zeit sollten wir uns um eine hochwertige Mineralisierung bei unseren Kindern kümmern. Seit einiger Zeit wird bei Kindern mit ASD großes Augenmerk auf epigenetische Veränderungen gelegt, die eine verminderte Expression von Genen, die Reelin kodieren (2) verursachen. Dieses Protein spielt eine wichtige Rolle bei der neurologischen Entwicklung und der postnatalen synaptischen Plastizität. Reelin spielt zudem eine bedeutende Rolle bei der Pathogenese von Autismus-Spektrum-Störungen (ASD) (3). Die Expression des Reelin Gens (RELN) ist bei Kindern mit Autismus-Spektrum-Störungen wesentlich geringer, und das sowohl im Gehirn als auch drum herum. Die Hypermethylierung des Promotors RELN, die bei Kindern mit Autismus-Spektrum-Störungen festgestellt wurde, wurde auch nach dem Tod bei Patienten mit Schizophrenie und bipolarer Störung im Gehirn beobachtet. Zink- und Magnesiummangel und die damit verbundene erhöhte Schwermetallbelastung, wie beispielsweise Aluminium, Blei, Arsen und Quecksilber können bei der neurologischen Entwicklung in dieser Zeit schwerwiegende Folgen haben. Sie können nämlich epigenetische Veränderungen wesentlich beeinflussen.

Weshalb sind Mineralstoffe so wichtig und warum sollte man sie auf deren Gehalt untersuchen?

Mineralstoffe können mit „Zündkerzen” unseres Lebens verglichen werden. Sie aktivieren Enzyme in unserem Körper. Ohne Enzyme kann unser Körper nicht funktionieren. Grundlage dieser Prozesse ist eine entsprechende Zufuhr von Mineralstoffen durch Nahrung, wobei deren gegenseitige Verhältnisse eine noch größere Rolle spielen. Grundlegend bei Störungen der neurologischen Entwicklung bei Kindern mit Autismus ist der Einfluss eines gestörten Mineralhaushalts auf die Acetylierung der Histone und DNA-Methylierung. Zink- und Magnesiummangel verlangsamen die DNA-Demethylierung und Acetylierung der Histone, während diese Mineralstoffe für einen richtigen Ablauf der Methyltransferase und Demethylase unabdingbar sind. Neben epigenetischen Veränderungen kommt es zusätzlich zu genetischen Veränderungen, wie SNP (single nucleotide polymorphism), also Einzelnukleotid-Polymorphismus. Die Anzahl dieser Veränderungen bestimmt erst die Wirkung der Enzyme, die unsere DNA und Histone methylieren. Auf den Polymorphismus unserer Gene haben wir keinen Einfluss, wir erben das von unseren Eltern. Doch wir können sehr wohl auf die Epigenetik einwirken und hier ist eine entsprechende Zufuhr von Mineralstoffen wichtig, insbesondere eine ausgewogene Ernährung. Wir wissen aber, dass Kinder mit Autismus häufig selektiv essen, und wenn auch noch Eliminationsdiäten hinzukommen, dann ist die Untersuchung des Mineralstoffgehalts eines der wichtigsten Schritte bei der therapeutischen Behandlung. Die Haarmineralanalyse EHA zeigt uns den Gehalt von solchen Mineralstoffen, wie: Calcium, Magnesium, Natrium, Kalium, Eisen, Kupfer, Zink, Chrom, Selen u.v.m. Sie zeigt uns auch den Gehalt von Schwermetallen. Wir wissen bereits, dass Mineralstoffe für unseren Stoffwechsel unabdingbar sind. So ist beispielsweise Calcium für die richtige Mineralisierung der Knochen und Zähne wichtig. Doch wenige von uns wissen, dass es zu einer sog. „Trans-Mineralisierung“ kommen kann, bei der Calcium ins Gewebe eindringt, wo es viele Schäden ausrichten kann. Dies betrifft u.a. die Mineralisierung von atherosklerotischen Plaques. Ein Calcium-Überschuss im Gehirn lässt dagegen unsere Kinder nicht zur Ruhe kommen. Deswegen müssen wir nicht nur dafür sorgen, dass Schwermetalle, die den Stoffwechsel verlangsamen, beseitigt werden, sondern auch sog. gute Elemente, die sich an Stellen befinden, an denen sie nicht vorkommen sollten, wie beispielsweise Calcium. Alle Elemente wirken in Paaren und beeinflussen sich gegenseitig. Auf diese Weise kann ein Überschuss eines Elements die Aufnahme seines Antagonisten verringern. Magnesium ist ein Antagonist von Quecksilber. Ein entsprechender Magnesiumgehalt schützt uns vor Ablagerungen von Quecksilber im Körper. Ein anderes Beispiel ist eine hohe Calcium-Aufnahme, die die Aufnahme von Zink durch den Darm verringert (was die Methylierung beeinflusst) (4). Wenn wir das nun auf unsere Essgewohnheiten übertragen, dann können wir sagen, dass je mehr wir süße Quarks essen, desto geringer ist die Aufnahme von Zink, eines Elements, das u.a. für die richtige Tätigkeit von Pepsin (Enzym, das Proteine im Magen zersetzt), der Bauchspeicheldrüse und der Hypophyse, sowie die Methylierung verantwortlich ist.

Was sind die häufigsten Faktoren, die zu einem gestörten Mineralhaushalt führen:

  • Schlechte Nahrung, die arm an Mineralstoffen ist.
  • Darmdysbiose, die zu einer reduzierten Aufnahme und Verdauung führt.
  • Stress, der den Gehalt von Mineralsalzen verringert, insbesondere den Gehalt von Magnesium und Zink.
  • Eine übermäßige Aufnahme von Schwermetallen, die Mineralstoffe in Enzymen ersetzen und deren Aufnahme beeinträchtigen.
  • Chronische bakterielle und virale Infektionen, die unserem Körper Mineralsalze entziehen.
  • Toxische Lebensmittelzusatzstoffe, wie Margarine und pflanzliches Fett, die mit Schwermetallen gehärtet sind.
  • Trinkwasser, das durch Chlor, Aluminium, Fluor oder manchmal auch Kupfer verunreinigt ist.
  • Lebensstil, der durch Bewegungs- und Schlafmangel gekennzeichnet ist.

Das Buch „Kinder mit hungernden Gehirn” wird weltweit für tausende Familien mit Kindern mit Autismus als Bibel angesehen. Die Autorin zeigt, dass Krankheiten mit Autismus-Spektrum-Störungen komplexe Krankheiten der Biomedizin sind, die sich aus einer schweren Unterernährung des Gehirns ergeben. Das Hauptproblem bei diesen Kindern ist nicht das Fehlen an Makronährstoffen, sondern vielmehr eine gestörte Mineralisierung im Zusammenhang mit der Darmdysbiose, einem durchlässigen Darm, Verdauungsstörungen und Störungen bei der Aufnahme. Dieses Problem wir durch selektive Ernährung und schlechte Essgewohnheiten bei Familien mit Kindern mit Autismus verstärkt. Dank der Studien von Dr. Paul Eck (der als Gründer der gegenwärtigen Ernährungstherapien angesehen wird), u.a. zur Möglichkeit der Bestimmung der Kohlenhydrattoleranz bei der EHA, also ob unser Körper eine Tendenz zur Hypo- oder Hyperglykämie aufweist, können wir die Tätigkeit unseres Gehirns durch eine entsprechende Sauerstoffzufuhr verbessern, idem wir den Gehalt der Mineralstoffe ausgleichen. Dr. Paul Eck betrachtet Patienten holistisch und nutzt in seinen Untersuchungen die EHA.

Eine gut ausgewertete EHA-Untersuchung kann uns viele Informationen zur Tendenz unserer Gesundheit liefern. Bei Kindern und älteren Personen korreliert sie stark mit den Symptomen. Schlechte Tendenzen können durch einen entsprechenden Ausgleich des Mineralstoffgehalts nivelliert werden. Je schneller wir von unseren „Schwächen“ erfahren, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit gesund zu bleiben, und im Falle von Kindern mit Autismus ermöglicht es uns, die richtige Entwicklung des Gerins zu unterstützen.

Die EHA bestimmt folgende Faktoren:

  • Gehalt von toxischen Schwermetallen.
  • Mangel von Elementen und deren gestörtes Gleichgewicht.
  • Stoffwechseltyp: schneller, langsamer oder gemischter Typ .
  • Tätigkeit der Nebenniere.
  • Tätigkeit der der Schilddrüse.
  • Gleichgewicht des vegetativen Nervensystems: sympathisch oder parasympathisch.
  • Proteinstoffwechsel: Katabolismus vs. Anabolismus.
  • Energieniveau.
  • Niveau des antioxidativen Schutzes.
  • Höhe der Kohlenhydrattoleranz, Glukoseintoleranz vs. Hypoglykämie.

Jedes Kind hat einen anderen Mangel und genau das kann man mithilfe einer Haaranalyse feststellen. Es kann sein, dass man bei einem Kind die Schilddrüsenunterfunktion (der Mangel an Schilddrüsenhormon kann bei einigen Kindern zu Symptome von Autismus führen) behandeln muss, und bei einem anderen Kind kann es die Erhöhung des antioxidativen Schutzes sein.

Der Gehalt der Mineralstoffe im Blut ist auf einer möglichst konstanten Ebene. Große Schwankungen beim Gehalt von Mineralstoffen, Glukose oder Hormonen könnten drastische Folgen für viele empfindliche Organe, darunter auch das Gehirn, haben. Wenn beispielsweise der Calcium-Spiegel im Blut unterhalb der Alarmschwelle liegt, wird Calcium aus den Knochen gewonnen. Diese Person kann an Osteoporose erkranken, doch der Calcium-Spiegel wird im Blutserum normal ausfallen. Auch der Magnesium-Spiegel kann im Blut Normwerte aufzeigen, während es im Gewebe zum Mangel kommen kann, was zu solchen Problemen führt, wie Schwierigkeiten zur Ruhe zu kommen und Schwierigkeiten bei der Entgiftung von Schwermetallen. Haare sind ein Gewebe, an das Mineralstoffe abgegeben werden, die im Überschuss vorhanden sind. Solche, die in unserem Körper in zu geringen Mengen vorkommen, werden nicht an die Haare abgegeben. Haare sowie anderes Gewebe sind Speicher von Mineralstoffen, so etwas wie ein Lager. Wenn die Speicher einen „geringen Bestand” haben, dann erkennen wir das schneller an den Haaren, als in den Blutstammzellen. Der Gehalt von Mineralstoffen, der im Blutserum untersucht wird, kann auch von der Tageszeit, von dem, was wir vorher gegessen haben, unserer Aktivität, sogar auch von unserer Laune bei der Blutabnahme abhängen. Unsere Haare liefern uns dagegen ein Bild von unserem Körper der letzten 2-3 Monate. Gute Ernährungsgewohnheiten stützen sich auf dem Motto „Test, not guess”, also testen, anstatt vermuten. Ein erfahrener Ernährungsberater sollte Ihnen zunächst Untersuchungen anordnen, darunter die EHA, um eine richtigen Ernährungsplan und/oder Supplementierung für Kinder mit Autismus aufzustellen. Bibliografie: 1. Assessment of Infantile Mineral Imbalances in Autism Spectrum Disorders (ASDs) Hiroshi Yasuda and Toyoharu Tsutsui Int. J. Environ. Res. Public Health 2013, 10, 6027-6043. 2. The role of Reelin in pathology of autism S H Fatemi. Molecular Psychiatry (2002) 7, 919 920. 3. Differential methylation at the RELN gene promoter in temporal cortex from autistic and typically developing post-puberal subjects Lintas C, Sacco R, Persico AM. J Neurodev Disord. 2016 Apr 29;8:18. 4. Zinc in Gut-Brain Interaction in Autism and Neurological Disorders Guillermo Vela, Peter Stark, Michael Socha, Ann Katrin Sauer, SimoneHagmeyer, and Andreas M. Grabrucker , Neural Plast. 2015 Mar 23. 2015: 972791. Autor: dr Anna Romaniuk, Mikrobiologin, Immunologin, Ernährungs-Psychologische Beraterin www.dietafeingolda.pl